Linguistische Mysterien auf dem Hotelwäschebeutel

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Ein Akt in fünf Sprachen

Der Wäschebeutel - tollste Errungenschaft seit Erfindung des Betthupferls. Ja gut, es handelt sich bei diesem Exemplar um eine ordinäre Plastiktüte, auf der das Wort "Wäschebeutel" steht. Ganz kosmopolitisch in fünf Sprachen gehalten. Und da es sich hier immerhin um eine gemeingefährliche Kunststofftasche handelt, darf der übliche Hinweis auf schlimme Folgen für Kinder nicht fehlen. Schauen wir mal nach:

Englisch

Der Hinweis auf Erstickungsgefahr erfolgt, deshalb von Kindern fernhalten. Man ist höflich, es wird "bitte" gesagt.

Deutsch

Im ersten Wort fehlt ein t am Ende, kann ja mal passieren. Anschließend wird in den zwei vorhandenen Sätzen die gleiche Aussage getätigt, nämlich Kinder nicht an die Tüte zu lassen. Durch die Wiederholung der Aussage klingt dies nun fast schon verzweifelt. Allein man wird im Unklaren gelassen, warum man dies auf keinen Fall tun soll.

Französisch

Erstickungshinweis, nicht für Kinder. Der Vierzeiler punktet mit einer Zusatzinformation: Nicht über den Kopf ziehen.

Spanisch

Der einzige Dreizeiler, kurz und knackig: Erstickungsgefahr, von Kindern fernhalten. Am Schluss einmal vorm Ausrufezeichen geplenkt, kann ja mal passieren.

Italienisch

Hinweis auf Erstickungsgefahr, Kinder weg. Der einzige Text, der unaufgeregt ohne Ausrufezeichen auskommt.

Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

Kann man daraus irgendwelche Schlüsse ziehen? Gedanken:

  1. Erwachsene können nicht unter einer Plastiktüte ersticken.
  2. Höflichkeitsfloskeln gibt es nur auf Englisch.
  3. Dem Deutsch(sprachig)en sagt man mehrfach ohne Angabe von Gründen, was zu tun bzw. zu unterlassen ist. Warum auch, er hat es immerhin schriftlich, also muss es was offizielles sein und deshalb wird es gemacht.
  4. Die Franzosen haben die Revolution erfunden und wenn es sein muss, trifft man sich auch zum Generalstreik. Ohne triftige Gründe macht man noch lange nicht, was auf einer Plastetüte steht.
  5. Der Spanier/Spanischsprechende ist kurz angebunden. Es wird trotzdem alles Notwendige gesagt.
  6. Italienische Gelassenheit. Wegen einer Tüte regt sich der abgehärtete Italiener nicht auf, er ist andere Müllberge gewohnt.

Kurios.

(Ja, auch die Tatsache, dass ich dies geschrieben habe.)

Die Wohnungsbesichtigung - ein Bericht von der Front

In der Hauptstadt ist es wechselhaft heute. Am Nachmittag blitzt kurz die Sonne durch die Wolken und verspricht einen netten Nachmittag. Sie hat zu vielversprochen.

Eine neue Wohnung soll her, die alte ist schön, aber die Nachbarn sind eine Plage. Und da man über kurz oder lang nicht zum Straftäter werden möchte, hilft nur die Flucht in ein neues Domizil. Ja, es soll schon in der Nähe sein und da kommt die Besichtigung einer balkonisierten Genossenschaftswohnung gerade richtig. Um 17 Uhr, so stand es geschrieben. Eine Chronik.

16:00 Uhr Formular ausgefüllt. Check. Letzte Verdienstnachweise. Check. Sympathischen aufgeschlossenen Gesichtsausdruck vorm Spiegel üben. Check.

16:30 Uhr Mache mich auf den Weg. Dicker Verkehr auf der Hermannstraße. So ein Auto in der Stadt ist schon sinnvoll…summe auf dem Rad vor mich hin.

16:40 Uhr Das Summen verstummt. Meine Ahnung bestätigt sich schnell. Die Hausnummer 10 ist die, wo etwa 15 Leute davor stehen. Rolle mit den Augen. Stelle mich neben den Hauseingang dazu.

16:45 Uhr Jetzt sind es etwa 30 Personen.

16.50 Uhr Geschätzte 50 Menschen warten entlang der Straße, auf der gegenüberliegenden Seite und an der nächsten Kreuzung. Die ersten Passanten fragen, was hier los ist.

16:55 Uhr Kurz durchgezählt, komme auf 80, da hinten sehe ich noch was. Schaulustige in der Nachbarschaft treten auf ihre Balkone. Endlich was los. Von irgendwoher ruft jemand. Er vermiete auch zimmerweise. Überlege kurz.

17:00 Uhr Alles dabei, junge Familien, Jutebeutelhipster, massig junge Leute, ein paar ältere, Prolls und ein paar normale. 100 Leute warten auf das Erscheinen des Messias von der Genossenschaft. Es wird unruhig. Wimmere leise vor mich hin.

17:10 Uhr Aus vorbeifahrenden Fahrzeugen wird geglotzt. Beinaheauffahrunfall. Es werden Fotos gemacht. Komme mir vor wie ein Teil einer Kunstinstallation. Mir wird schlecht.

17:20 Uhr Die ersten gehen. Telefonische Kontaktaufnahme mit der Verwaltung schlägt fehl.

17:30 Uhr Niemand kommt, um uns zu erlösen. Will hier weg.

17:40 Uhr Das Ende der Geschichte würde mich eigentlich schon interessieren. Warte jetzt eine Stunde. Schüttele den Kopf und mache mich auf den Heimweg.

Epilog

Vor 10 Jahren wurde man noch dafür bemitleidet, wenn man sagte, man wohne in Neukölln. Ob es denn nicht gefährlich wäre und überhaupt. Dann ist Friedrichshain übergelaufen und Prenzlauer Berg war auch irgendwann voll. SIE kamen. Bei uns hört man zum Wochenende die Rollkoffer über den Gehweg grollen. Aus Mietwohnungen werden Ferienwohnungen und bei einer Wohnungsbesichtigung stehen hundert Leute vor der Tür?

Vielen Dank für die engagierte Wohnungspolitik. Wie bitte? Der Markt reguliert sich selbst? Achso. Wie? Es gibt kein Recht darauf, im Umkreis von 50 Kilometern zum Stadtzentrum zu wohnen? Hmm, also fahren die Leute auch zig Kilometer zur Arbeit wie auf dem Land, gibt ja kein Verkehrsprobleme hier. A100, verstehe. Müssen dafür nicht auch ganze Häuserblocks weichen? Wie meinen? Ach, es wurde ja bisher niemand verdrängt, die sind freiwillig weg. Na dann.

An dieser Stelle geht ein spezieller Tooltime-Gruß an unsere ehemalige Stadtentwicklungssenatorin Frau Junge-Reyer, die sich bis zuletzt einen “entspannten Wohnungsmarkt” herbeiphantasierte und nichts tat. Und natürlich an unseren Partybürgermeister Wowereit, der steigende Mieten toll findet. Bekanntlich geht es der Berliner Wirtschaft blendend, wir haben keine Arbeitslosen und noch weniger Leute in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen. Alles in Ordnung hier. Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.

Wildbiene an der Heidelbeere

Die 'Bluecrop' blüht ja angeblich so Mai bis Juni. Die warmen Temperaturen Ende März haben hier anscheinend den Startschuss gegeben, schon früher loszulegen. Zu meiner Freude hat sich heute eine Wildbiene daran gelabt.

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Muss das sein?

Hier ist lange nichts passiert. Und, ist der Welt dadurch etwas entgangen? Es gäbe viel zu sagen - Poitik, Technik, Gesellschaft - super Themen, die im Netz auch eine absolute Randerscheinung darstellen... Immerhin, ich könnte den millionsten Artikel zu irgendwas mit Überwachung oder Terrorismus schreiben oder den tausendsten dazu, warum GNOME 3 ja doch viel besser ist als sein Ruf.

Vielleicht tuts ja auch ne Nummer kleiner. Mit einer Katze kann ich nicht dienen, aber Blümchenbilder kommen auch gut an, außerdem kann ich das. Hmm, was geht noch? Ich kann gut und völlig polemisch und voreingenommen über Mitmenschen oder Erscheinungen lästern. Zum Beispiel über LOHAS, die nicht mal die Bedeutung des Wortes "Monokultur" kennen, aber über Landwirtschaft diskutieren wollen. Mich belasten auch Fragen, auf die mir niemand eine Antwort geben kann. Zum Beispiel, warum in Städten niemand großflächig Solarpeneele auf die Dächer packt, es sind doch genug da. Oder warum bereits Lärm produzierende Fahrzeuge noch dazu mit einer Hupe ausgestattet werden, die doch sowieso nur dazu benutzt wird, andere Leute zu belästigen. Sowas eben.

 

"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen" - Karl Valentin

 

Florfliegenei

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Ein einzelnes Ei am Stiel auf einem Rocoto cuencano-Blatt. Ich war zunächst ein wenig verwundert, weil Blattläuse hier derzeit kein Thema sind - aber da wären ja noch die Spinnmilben an den Erdbeeren (und nur dort)... Ich hoffe, ich habe noch nicht zu viele befallene Blätter entsorgt, nicht dass nach dem Schlüpfen der Kleine verhungert. So viel bittere Ironie möchte ich nicht auf meinem Balkon haben.

Kranke Erdbeeren

Die Erdbeerpflanzen im Gewächshaus sind wohl etwas zu geschützt gewesen. Sie haben zwar gute Fruchtansätze und eine Menge Ausläufer produziert, allerdings auch mit dem vollen Programm an Schädlingen zu kämpfen: Spinnmilben und fiesen grünen Stinkwanzen. Die Arbeit haben sie gerecht aufgeteilt, die Spinnmilben sind für die Zerstörung der Blätter zustandig und die Wanzen machen sich über die Früchte her, die sich nicht oder nur verwachsen ausbilden.

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Die Wanzen habe ich mit Pinsel in Killerbrühe (Wasser, Brennspiritus, Spüli) mitlerweile erfolgreich bekämpft, die Spinnmilben versuche ich durch Abschneiden der Blätter einzudämmen. Da es jetzt fast nix mehr zum Abschneiden gibt, muss im nächsten Schritt wohl ein Neem-Präparat ran...

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Die Ausläufer sind alle abgeschnitten, die kräftigsten habe ich in einen weiteren Balkonkasten gepflanzt. Als Substrat kam dabei ein "Humusziegel" auf Kokosfaserbasis zum Einsatz. Ein solcher Humusziegel von etwa 700 g ergibt einen 2/3-Eimer Substrat und hat einen 80 cm-Kasten so knapp gefüllt. Ob das Substrat für mich eine Alternative zu Blumenerde ist, muss ich noch herausfinden.

Vermehrungsmonster

Der erste Schwung Erdbeeren hat den Weg der Verdauungsorgane genommen. Nachdem zwei Früchte, da am Boden liegend, durch die feuchte Erde schimmelten, wurde kurzerhand eine Lage Stroh verteilt - Erwerbsgartenbaumethoden mit Kleintierstreu. Die Pflanzen sprießen zur Zeit extrem in Form von Blättern und Ablegern, weitere Blütenstände sind noch nicht in Sicht.

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Ein Traum in grün und bunt

Heidelbeere

Die Pflanze hat sich sehr gut entwickelt. Sie steht in Rhododendron-Substrat und wird im ersten Jahr wohl eine Hand voll Früchte tragen.

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Tomate

Blüht seit knapp einer Woche, eine Menge Blütenansätze in den Seitentrieben.

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Erdbeeren

Alle Pflanzen sind angewachsen und blühen fleißig. Auf den Bildern ist die schöne Vervatur der Blätter sehr gut zu sehen.

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"Royal Black"

Eine Sorte aus dem letzten Jahr.

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Hibiscus

Irgendwie mache ich immer die gleichen Fotos, nur mit verschiedenen Blüten...

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Nächtliche Begegnung

Du hattest bestimmt deine Gründe. Du hattest es offenbar eilig. Es war schließlich Samstag abend, nicht dass du noch zu spät zur Party kommst.

Da warst du also, jung dynamischer Mittzwanziger auf deinem Schrottrad und heiztest den Gehweg entlang. Deine Strategie: immer raufhalten und erwarten, dass andere schon zur Seite springen werden. Du lässt dich auch von einer herumstehenden Personengruppe nicht aufhalten. Du hast ja eine Klingel, dessen Benutzung immerhin das international anerkannte Zeichen für "Platz da, sonst mach ich dich platt" ist.

Da fährst du also ungebremst auf eine Menschenmenge zu. Die Menschenmenge ignoriert dich aber, sie möchte nicht von deiner Anwesenheit gestört werden. Was hast du hier überhaupt zu suchen? All dein Klingeln hilft dir nicht, du machst nach einem Zusammenstoß mit einem der Passanten einen recht ansehnlichen Stunt über den Lenker. Dein anschließendes Fluchen und Schimpfen lässt nicht vermuten, dass du dein Verhalten reflektierst. Ich fasse mal zusammen:

  1. Du fährst auf dem Gehweg.
  2. Du tust nicht mal so, als wäre dir das peinlich.
  3. Du fährst ungebremst auf Personen zu.
  4. Du meinst, mit Klingeln das Verhalten anderer Menschen beeinflussen zu können.
  5. Du rechnest nicht damit, dass sich Menschen entgegen deiner Erwartungen verhalten könnten.
  6. Du bemerkst dein Fehlverhalten nicht einmal, wenn du am Boden liegst.

Es ist festzustellen, dass du zum einen nicht radfahren kannst und zum anderen Entwicklungsdefizite aufweist, die nur den Schluss zulassen, dass du ungeeignet bist, mit einem Fahrzeug am Straßenverkehr teilzunehmen.

Falls du es noch nicht bemerkt hast: wegen dir hassen Menschen Radfahrer. Dank dir werden wir nicht als normale gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer betrachtet. Von Fußgängern, Autofahrern, Polizei. Es ist im übrigen noch eine Entschuldigung fällig.